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Qdrant vs. andere Vektordatenbanken – wo liegen die echten Unterschiede?

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Qdrant vs. andere Vektordatenbanken – wo liegen die echten Unterschiede?

Nachdem im ersten Teil klar geworden ist, warum klassische Suche an ihre Grenzen stößt, stellt sich nun die nächste logische Frage: Warum ausgerechnet Qdrant? Und was unterscheidet es eigentlich von anderen Lösungen, die ebenfalls mit Vektoren arbeiten?

Denn „Vektordatenbank“ ist kein geschützter Begriff. Hinter ihm verbergen sich sehr unterschiedliche Konzepte – mit teils völlig verschiedenen Zielsetzungen.

Der Marktüberblick: Wer macht was – und warum?

FAISS – die mathematische Basis, aber keine Datenbank

FAISS stammt aus dem Umfeld von Meta und ist im Kern eine hochoptimierte C++-Bibliothek für Ähnlichkeitssuche.

Stärken

  • extrem schnell
  • hervorragend für Forschung und Experimente
  • volle Kontrolle über Algorithmen

Schwächen

  • keine Datenbank
  • keine Persistenz „out of the box“
  • kein API, kein Rechtemodell, kein Betriebskonzept

👉 FAISS ist ein Motor – aber kein Fahrzeug. Wer es produktiv einsetzen will, muss sehr viel selbst bauen.

Milvus – Skalierung zuerst, Einfachheit zuletzt

Milvus ist eine verteilte Vektordatenbank mit starkem Fokus auf Clusterbetrieb und horizontale Skalierung.

Stärken

  • massive Datenmengen
  • Cloud- & Kubernetes-orientiert
  • ausgelegt auf große Teams

Schwächen

  • komplexe Architektur
  • hoher Betriebsaufwand
  • für kleinere Setups oft überdimensioniert

👉 Milvus ist mächtig – aber selten „leichtgewichtig“.

Weaviate – komfortabel, aber meinungsstark

Weaviate kombiniert Vektorsuche mit einem stark strukturierten API-Ansatz und optional integrierter KI-Logik.

Stärken

  • sehr bequem
  • Schema-basiert
  • gute Developer Experience

Schwächen

  • hoher Speicherverbrauch
  • starke Abhängigkeit vom eigenen Ökosystem
  • weniger Kontrolle über innere Abläufe

👉 Weaviate fühlt sich oft eher wie ein Framework an als wie eine klassische Datenbank.

Elasticsearch – Vektorsuche als Zusatzfunktion

Elasticsearch kann seit einigen Versionen auch Vektoren speichern und vergleichen.

Stärken

  • etabliert
  • bekanntes Query-Modell
  • gut für Hybrid-Suche (Text + Vektor)

Schwächen

  • Vektorsuche nicht Kernkompetenz
  • hoher Ressourcenverbrauch
  • komplexe Lizenz- und Betriebsfragen

👉 Elasticsearch kann Vektoren – aber lebt nicht für sie.

Warum Qdrant für Self-Hosting ideal ist

Qdrant verfolgt einen klaren, fast altmodisch wirkenden Ansatz:

„Wir bauen eine Datenbank – und machen genau das richtig.“

Klarer Fokus

  • Qdrant ist von Grund auf für Vektoren gebaut
  • keine Nebenfunktion, kein Feature-Anhängsel
  • semantische Suche ist der Kern, nicht die Ergänzung

Überschaubare Architektur

  • ein einzelner Binary
  • klar definierte Speicherpfade
  • REST & gRPC APIs
  • leicht in bestehende Systeme integrierbar

Gerade für Self-Hosting, On-Premise-Betrieb oder Behörden-Umgebungen ist das ein entscheidender Punkt.

Rust, Performance & Speicherbedarf

Ein zentraler Unterschied liegt in der technischen Basis.

Qdrant ist in Rust geschrieben – und das merkt man:

  • sehr gute Performance
  • geringer RAM-Footprint
  • kontrollierter Speicherzugriff
  • hohe Stabilität im Dauerbetrieb

Im Vergleich zu JVM- oder Python-basierten Lösungen ist der Ressourcenbedarf oft deutlich niedriger. Das macht Qdrant attraktiv für:

  • kleinere Server
  • dedizierte KI-Knoten
  • Edge- oder interne Systeme

Kurz gesagt: viel Leistung ohne Infrastruktur-Zirkus.

Wann Qdrant nicht die richtige Wahl ist

So überzeugend Qdrant ist – es ist keine Universallösung.

Qdrant ist nicht ideal, wenn:

  • extrem große, global verteilte Cluster nötig sind
  • komplexe Transaktionen über viele Datentypen gebraucht werden
  • man „alles in einem System“ erzwingen möchte
  • man eine vollautomatische Cloud-Plattform sucht

Auch klassische relationale Abfragen oder Business-Logik gehören nicht in Qdrant.

👉 Qdrant ist Spezialist, kein Generalist.


Die eigentliche Frage ist nicht „Welche Datenbank ist besser?“

Die entscheidende Frage lautet:

Welches Problem will ich lösen?

  • Will ich Bedeutung vergleichen? → Vektordatenbank
  • Will ich Inhalte finden, die ähnlich sind? → Qdrant
  • Will ich klassische Geschäftslogik abbilden? → relationale DB
  • Will ich alles auf einmal? → Architektur überdenken

Qdrant passt besonders gut in klare, modulare Systeme, in denen jede Komponente eine definierte Aufgabe hat.

Qdrant ist nicht die lauteste Lösung. Nicht die komplexeste. Und nicht die mit den meisten Buzzwords.

Aber genau das ist seine Stärke.

Es ist:

  • fokussiert
  • performant
  • kontrollierbar
  • und hervorragend geeignet für realistische, produktive Setups