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Denken in Dateien statt Prompts: So arbeitest du richtig mit aider
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- tmueller
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Wer mit klassischen KI-Chats arbeitet, denkt automatisch in Prompts. Man formuliert möglichst clever, möglichst präzise, möglichst ausführlich – in der Hoffnung, dass die KI daraus den „richtigen“ Code erzeugt.
aider zwingt dich, dieses Denken loszulassen.
Denn hier zählt nicht, wie gut dein Prompt ist, sondern welche Dateien du der KI gibst – und welche nicht.
Das ist kein Detail. Es ist ein fundamentaler Wechsel des Arbeitsstils.
aider verändert den Arbeitsstil
Mit aider sitzt du nicht mehr vor einem leeren Chatfenster, sondern mitten im Projekt. Der Code existiert bereits. Die Struktur existiert. Die Historie existiert.
Deine Aufgabe ist nicht mehr:
„Beschreibe möglichst genau, was du willst“
Sondern:
„Zeige der KI genau, womit sie arbeiten darf.“
Das fühlt sich am Anfang ungewohnt an – ist aber der Schlüssel zu reproduzierbaren, sauberen Ergebnissen.
Warum „Prompt-Engineering“ zweitrangig wird
Natürlich musst du auch bei aider erklären, was du willst. Aber die Qualität der Ergebnisse hängt viel weniger vom sprachlichen Feinschliff ab als von:
- den konkreten Dateien
- dem aktuellen Zustand des Codes
- der Begrenzung des Kontexts
Ein mittelmäßiger Prompt mit gutem Kontext schlägt fast immer einen perfekten Prompt ohne Kontext.
Oder anders gesagt:
Dateiauswahl ist das neue Prompt-Engineering.
Dateien explizit hinzufügen
aider arbeitet nur mit dem, was du ihm gibst.
Beispiele:
aider main.py utils.py
oder später im laufenden Tool:
- gezielt Dateien hinzufügen
- gezielt Dateien wieder entfernen
Das hat zwei enorme Vorteile:
- Die KI halluziniert keine fremden Strukturen
- Änderungen bleiben lokal und kontrollierbar
Je klarer der Arbeitsbereich, desto besser das Ergebnis.
Kontext bewusst steuern
Viele typische KI-Fehler entstehen nicht durch schlechte Modelle, sondern durch zu viel Kontext.
Zu viele Dateien führen zu:
- unklaren Zuständigkeiten
- unnötigen Änderungen
- scheinbar „logischen“, aber falschen Annahmen
Die Faustregel:
Gib der KI nur das, was sie wirklich braucht.
Nicht das ganze Projekt. Nicht alle Abhängigkeiten. Sondern den minimalen, relevanten Ausschnitt.
Was aider nicht wissen soll
Ein oft unterschätzter Punkt: Nicht alles, was im Projekt existiert, ist relevant.
Beispiele für Dinge, die aider meist nicht braucht:
- Konfigurationsdateien ohne Bezug zur Aufgabe
- fremde Module „zur Sicherheit“
- große Legacy-Dateien ohne Berührungspunkt
Jede Datei ist eine Einladung zur Veränderung. Und jede unnötige Einladung erhöht das Risiko.
Weglassen ist ein Feature, kein Mangel.
Kleine vs. große Aufgaben
aider ist stark – aber nicht magisch.
Kleine Aufgaben
- einzelne Funktionen refactoren
- Variablennamen verbessern
- Logik vereinfachen
- Tests ergänzen
👉 ideal für den Einstieg
Große Aufgaben
- Architektur umbauen
- Module aufteilen
- APIs umstellen
👉 funktionieren hervorragend – wenn sie in Schritte zerlegt werden
Der Fehler vieler Einsteiger:
„Mach mein Projekt besser.“
Der richtige Ansatz:
„Verbessere diesen Teil – dann den nächsten.“
Das neue Denkmodell
Mit aider arbeitest du nicht mehr „prompt-getrieben“, sondern datei-getrieben:
- Der Code definiert den Rahmen
- Git sichert jede Entscheidung ab
- Die KI wird zum ausführenden Partner
- Du bleibst Architekt:in und Entscheider:in
👉 Ergebnis: Leser:innen verstehen, dass produktives KI-Coding nicht aus cleveren Prompts entsteht, sondern aus klarer Struktur, bewusstem Kontext und kleinen, kontrollierten Schritten.