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Node-RED verstehen: Einstieg in visuelle Workflows & Low-Code-Automatisierung
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Was ist Node-RED wirklich?
Einordnung & Philosophie – warum es um Denken geht, nicht ums Klicken
Ziel: Verständnis statt Klickerei Ergebnis: Du weißt nach diesem Artikel, wann Node-RED die richtige Wahl ist – und wann nicht.
1. Herkunft & Idee: Flow-based Programming statt Quellcode-Zentrierung
Node-RED wurde ursprünglich bei IBM entwickelt – nicht als Spielzeug, sondern als Antwort auf ein echtes Problem: Moderne IT-Systeme bestehen aus vielen Einzelteilen, die miteinander reden müssen. APIs, Sensoren, Datenbanken, Webhooks, Zeittrigger, Cloud-Dienste.
Klassische Programmierung zwingt dich dabei oft zu einem linearen Denkmodell:
„Schreibe Code → deploye → teste → ändere → redeploye“
Node-RED verfolgt einen anderen Ansatz: Flow-based Programming. Die Logik wird nicht primär als Text formuliert, sondern als Fluss von Ereignissen und Daten:
Ereignis → Verarbeitung → Entscheidung → Aktion
Das Entscheidende: Node-RED macht Datenflüsse sichtbar. Nicht implizit im Code, sondern explizit im Diagramm.
2. Warum visuelle Logik Sinn ergibt (und nicht „unprofessionell“ ist)
Ein weit verbreiteter Denkfehler lautet:
„Echte Software entsteht nur im Code.“
Das stimmt – für bestimmte Problemklassen. Aber viele reale Aufgaben sind prozessual, nicht algorithmisch:
- „Wenn ein Webhook kommt, validiere JSON, speichere Daten, informiere ein System“
- „Alle 10 Minuten: Prüfe Status → bei Fehler Mail + Slack“
- „Nimm Daten aus A, transformiere sie, schicke sie nach B“
Diese Abläufe sind:
- ereignisgetrieben
- zustandsbehaftet
- integrationslastig
Genau hier ist visuelle Logik kein Nachteil, sondern ein Beschleuniger:
- Du siehst den Prozess
- Du verstehst ihn auch nach Wochen noch
- Andere können ihn lesen, ohne den Code zu kennen
Node-RED ist damit näher an Architekturdiagrammen, die ausführbar sind.
3. Abgrenzung zu klassischem Code (ohne Ideologie)
Wichtig: Node-RED ersetzt klassische Programmierung nicht. Es ergänzt sie.
Klassischer Code ist stark bei:
- komplexen Algorithmen
- Performance-kritischen Berechnungen
- großen, strikt typisierten Anwendungen
- langfristig gewachsenen Codebasen
Node-RED ist stark bei:
- Integration von Systemen
- Orchestrierung von Abläufen
- Automatisierung
- Prototyping → Produktion
- „Glue-Code“ zwischen Welten
Ein häufiger Fehler ist die Frage:
„Soll ich Node-RED oder Code nutzen?“
Die bessere Frage lautet:
„Wo endet Code – und wo beginnt Orchestrierung?“
Node-RED lebt genau an dieser Grenze.
4. Typische Missverständnisse: „Low Code = Spielzeug“
Dieses Vorurteil ist hartnäckig – und falsch.
Missverständnis 1: „Low Code ist nur für Einsteiger“
Faktisch nutzen Node-RED:
- Industrie-IoT-Plattformen
- Smart-City-Projekte
- Monitoring-Systeme
- KI-Pipelines
- Redaktions- und Datenplattformen
Der Unterschied: Einsteiger klicken – Profis modellieren.
Missverständnis 2: „Ohne Code geht nichts Seriöses“
Node-RED ist JavaScript unter der Haube. Du kannst:
- eigene Function-Nodes schreiben
- Libraries einbinden
- APIs bauen
- Fehler gezielt behandeln
Visuell heißt nicht: eingeschränkt. Es heißt: strukturiert sichtbar.
Missverständnis 3: „Das wird doch unübersichtlich“
Ja – wenn man es falsch nutzt.
Node-RED bestraft:
- unstrukturierte Flows
- schlechte Benennung
- fehlende Modularisierung
Aber genau das tut jede Codebasis auch. Der Unterschied: In Node-RED siehst du das Chaos sofort.
5. Wo Node-RED glänzt – und wo bewusst nicht
Glänzt besonders bei:
- Automatisierung von Abläufen
- Systemintegration
- Event-Processing
- Datenpipelines
- Backend-Logik ohne Frontend-Ballast
- KI-Orchestrierung (Prompts, Verarbeitung, Routing)
Nicht ideal für:
- hochperformante Rechenkerne
- komplexe UI-Applikationen
- riesige Domänenlogik mit tausenden Regeln
- Szenarien, in denen visuelle Modelle nicht gepflegt werden
Node-RED will nicht alles sein – und genau das macht es stark.
Fazit: Node-RED ist kein Tool – es ist ein Denkmodell
Node-RED zwingt dich, anders über Software nachzudenken:
- nicht „Was schreibe ich?“
- sondern: „Was passiert wann – und warum?“
Wer das akzeptiert, erkennt:
- Node-RED ist kein Klickspielzeug
- kein Ersatz für sauberen Code
- sondern ein präzises Werkzeug für Integration & Automatisierung
👉 Nach diesem Artikel solltest du nicht denken: „Kann ich Node-RED benutzen?“
👉 Sondern: „Ist mein Problem ein Daten- oder Prozessfluss?“
Wenn ja – dann ist Node-RED sehr wahrscheinlich die richtige Wahl.