Linux Administration

Was ist Incus? Die moderne Alternative zu LXD

Incus ist der moderne Nachfolger von LXD und ermöglicht die komfortable Verwaltung von Linux-Containern und virtuellen Maschinen. In diesem ersten Teil der Serie lernst du die Grundlagen kennen und erfährst, warum Incus für Administratoren und Entwickler immer interessanter wird.

4 min Lesezeit
Grafik: Container und virtuelle Maschinen einfach verwalten

Was ist Incus?

Wer heute Anwendungen oder ganze Serverumgebungen effizient betreiben möchte, kommt an Virtualisierung und Containern kaum noch vorbei. Während Docker vor allem in der Softwareentwicklung bekannt ist, existieren mit Incus und LXC leistungsfähige Alternativen für Administratoren, die vollständige Linux-Systeme oder virtuelle Maschinen verwalten möchten.

Incus ist ein Open-Source-Manager für System-Container und virtuelle Maschinen. Anders als Docker, das hauptsächlich einzelne Anwendungen kapselt, verwaltet Incus komplette Betriebssysteme. Ein Container unter Incus verhält sich nahezu wie ein eigenständiger Linux-Server – inklusive eigener Prozesse, Netzwerkinterfaces, Benutzerverwaltung und Dateisystem.

Neben Linux-Containern unterstützt Incus auch vollständig virtualisierte Maschinen auf Basis von QEMU/KVM. Dadurch vereint die Plattform zwei Technologien unter einer gemeinsamen Verwaltungsoberfläche.

Das macht Incus besonders interessant für Administratoren, Entwickler und Unternehmen, die sowohl Container als auch virtuelle Maschinen zentral verwalten möchten.


Die Entstehung von Incus

Incus entstand im Jahr 2023 als Fork des bekannten Projekts LXD.

Hintergrund war eine grundlegende Änderung der Entwicklung von LXD. Ursprünglich wurde LXD als Open-Source-Projekt innerhalb der Linux-Community entwickelt. Nachdem Canonical die Entwicklung vollständig übernahm und das Projekt in die eigene Infrastruktur integrierte, entschied sich der ursprüngliche LXD-Projektleiter Stéphane Graber gemeinsam mit weiteren Entwicklern, einen unabhängigen Fork ins Leben zu rufen.

Das Ergebnis war Incus.

Das Ziel war klar:

  • vollständig Open Source
  • gemeinschaftsgetriebene Entwicklung
  • offene Governance
  • keine Herstellerabhängigkeit
  • langfristige Stabilität

Heute wird Incus aktiv weiterentwickelt und veröffentlicht regelmäßig neue Versionen mit zusätzlichen Funktionen und Verbesserungen.


Was macht Incus besonders?

Incus verfolgt einen anderen Ansatz als klassische Container-Plattformen.

Statt lediglich einzelne Anwendungen bereitzustellen, können komplette Linux-Systeme innerhalb eines Containers betrieben werden.

Ein Container besitzt beispielsweise:

  • eigenes Dateisystem
  • eigene Benutzerverwaltung
  • eigenes Netzwerk
  • eigene Prozesse
  • eigene Dienste
  • eigenes Init-System (systemd)

Dadurch eignet sich Incus hervorragend als Ersatz für klassische virtuelle Server.

Ein weiterer großer Vorteil besteht darin, dass Linux-Container keinen eigenen Kernel benötigen. Stattdessen teilen sie sich den Kernel des Hosts.

Das führt zu:

  • deutlich geringerem Speicherverbrauch
  • schnellerem Start
  • höherer Dichte an Containern
  • geringerer CPU-Last

Falls vollständige Hardwarevirtualisierung erforderlich ist, können stattdessen virtuelle Maschinen mit QEMU/KVM betrieben werden – ebenfalls direkt über Incus.


Container oder virtuelle Maschine?

Diese Frage stellt sich fast jeder Administrator.

Obwohl beide Technologien ähnliche Ziele verfolgen, unterscheiden sie sich technisch erheblich.

Linux-Container

Container teilen sich den Kernel des Hostsystems.

Vorteile:

  • extrem schnell
  • geringer Ressourcenverbrauch
  • Start innerhalb weniger Sekunden
  • ideal für Linux-Dienste
  • hohe Containerdichte

Nachteile:

  • gleicher Linux-Kernel erforderlich
  • keine anderen Betriebssysteme möglich

Typische Beispiele:

  • Webserver
  • Datenbanken
  • Nextcloud
  • GitLab
  • Mailserver
  • Entwicklungsumgebungen

Virtuelle Maschinen

Virtuelle Maschinen besitzen ihre eigene Hardwarevirtualisierung.

Sie verfügen über:

  • eigenen Kernel
  • eigenes BIOS bzw. UEFI
  • vollständiges Betriebssystem

Vorteile:

  • Windows möglich
  • BSD möglich
  • verschiedene Linux-Versionen
  • vollständige Isolation

Nachteile:

  • höherer Ressourcenbedarf
  • längere Bootzeiten

Typische Beispiele:

  • Windows Server
  • Active Directory
  • spezielle Appliances
  • Legacy-Systeme

Incus im Vergleich zu Docker, Podman und Kubernetes

Viele Administratoren fragen sich, ob Incus Docker ersetzen kann.

Die Antwort lautet: Das hängt vom Einsatzzweck ab.

Incus

Schwerpunkt:

  • vollständige Linux-Systeme
  • virtuelle Maschinen
  • langfristiger Serverbetrieb
  • Infrastruktur

Ideal für:

  • Administratoren
  • Homelabs
  • Unternehmen
  • Hosting
  • Testserver

Docker

Docker konzentriert sich auf einzelne Anwendungen.

Ein Docker-Container enthält meistens nur einen Dienst.

Typische Beispiele:

  • Nginx
  • Redis
  • MariaDB
  • PHP
  • Node.js

Docker eignet sich hervorragend für:

  • Continuous Integration
  • Microservices
  • Softwareentwicklung
  • DevOps

Podman

Podman verfolgt einen ähnlichen Ansatz wie Docker.

Der größte Unterschied:

Podman benötigt keinen zentralen Daemon und unterstützt den Rootless-Betrieb besonders gut.

Dadurch eignet sich Podman hervorragend für sicherheitskritische Entwicklungsumgebungen.


Kubernetes

Kubernetes ist keine Container-Laufzeit, sondern eine Orchestrierungsplattform.

Sie verwaltet:

  • Hunderte Container
  • Lastverteilung
  • Skalierung
  • Hochverfügbarkeit
  • automatische Updates

Für kleine Server oder Homelabs wäre Kubernetes meist deutlich überdimensioniert.


Vergleich der Lösungen

PlattformSchwerpunktTypische NutzungIncusLinux-Systeme und virtuelle MaschinenServerbetrieb, Homelab, InfrastrukturDockerAnwendungenMicroservices, WebanwendungenPodmanAnwendungenRootless-Container, EntwicklungKubernetesContainer-OrchestrierungGroße Cluster und Cloud-PlattformenFür wen eignet sich Incus?

Incus richtet sich vor allem an Anwender, die mehr als einzelne Anwendungen betreiben möchten.

Besonders interessant ist Incus für:

Systemadministratoren

  • Testserver
  • Webserver
  • Datenbanken
  • Entwicklungsserver
  • Backup-Systeme

Unternehmen

  • interne Dienste
  • Virtualisierung
  • Entwicklungsumgebungen
  • isolierte Anwendungen
  • Hosting

Entwickler

  • reproduzierbare Testumgebungen
  • verschiedene Linux-Distributionen
  • schnelle Bereitstellung neuer Systeme

Homelab-Betreiber

Incus eignet sich hervorragend für private Server.

Beispielsweise lassen sich betreiben:

  • Home Assistant
  • Nextcloud
  • Jellyfin
  • Pi-hole
  • WireGuard
  • Vaultwarden
  • GitLab
  • Gitea

Alles sauber voneinander getrennt und dennoch äußerst ressourcenschonend.


Typische Einsatzgebiete

Die Einsatzmöglichkeiten sind nahezu unbegrenzt.

Häufige Szenarien sind:

  • Webhosting
  • Datenbankserver
  • Entwicklungsserver
  • Testumgebungen
  • CI/CD-Systeme
  • VPN-Gateways
  • DNS-Server
  • Mailserver
  • Reverse Proxys
  • Monitoring
  • Backupserver
  • Container-Labore
  • Schulungsumgebungen
  • Homelabs
  • Unternehmensinfrastruktur

Durch Snapshots, Images und Profile lassen sich neue Systeme innerhalb weniger Sekunden bereitstellen.


Warum gewinnt Incus immer mehr an Bedeutung?

Immer mehr Administratoren suchen nach einer Lösung, die klassische Virtualisierung und moderne Container-Technologien miteinander verbindet.

Genau hier setzt Incus an.

Die Plattform bietet:

  • Verwaltung von Containern und virtuellen Maschinen
  • sehr geringe Systemanforderungen
  • hohe Performance
  • aktive Open-Source-Community
  • einfache Administration
  • REST-API für Automatisierung
  • Cluster-Unterstützung
  • Snapshots und Backups
  • leistungsfähiges Netzwerkmanagement
  • flexible Storage-Backends wie ZFS, Btrfs, LVM und Ceph

Damit eignet sich Incus sowohl für kleine Heimserver als auch für professionelle Unternehmensumgebungen.


Incus ist weit mehr als nur ein Nachfolger von LXD. Die Plattform vereint moderne Linux-Container und virtuelle Maschinen unter einer gemeinsamen Verwaltung und überzeugt durch hohe Performance, Flexibilität und eine offene Entwicklung.

Wer komplette Linux-Systeme effizient betreiben, Testumgebungen in Sekunden bereitstellen oder eine ressourcenschonende Virtualisierungslösung für den produktiven Einsatz sucht, sollte Incus unbedingt näher kennenlernen. Dank der Unterstützung für Container und virtuelle Maschinen eignet sich die Plattform gleichermaßen für Homelabs, Entwicklungsumgebungen und professionelle Serverinfrastrukturen.

Im nächsten Teil dieser Serie installieren wir Incus Schritt für Schritt auf einem Debian-13-Server und nehmen die erste Grundkonfiguration vor.