Was ist Incus?
Wer heute Anwendungen oder ganze Serverumgebungen effizient betreiben möchte, kommt an Virtualisierung und Containern kaum noch vorbei. Während Docker vor allem in der Softwareentwicklung bekannt ist, existieren mit Incus und LXC leistungsfähige Alternativen für Administratoren, die vollständige Linux-Systeme oder virtuelle Maschinen verwalten möchten.
Incus ist ein Open-Source-Manager für System-Container und virtuelle Maschinen. Anders als Docker, das hauptsächlich einzelne Anwendungen kapselt, verwaltet Incus komplette Betriebssysteme. Ein Container unter Incus verhält sich nahezu wie ein eigenständiger Linux-Server – inklusive eigener Prozesse, Netzwerkinterfaces, Benutzerverwaltung und Dateisystem.
Neben Linux-Containern unterstützt Incus auch vollständig virtualisierte Maschinen auf Basis von QEMU/KVM. Dadurch vereint die Plattform zwei Technologien unter einer gemeinsamen Verwaltungsoberfläche.
Das macht Incus besonders interessant für Administratoren, Entwickler und Unternehmen, die sowohl Container als auch virtuelle Maschinen zentral verwalten möchten.
Die Entstehung von Incus
Incus entstand im Jahr 2023 als Fork des bekannten Projekts LXD.
Hintergrund war eine grundlegende Änderung der Entwicklung von LXD. Ursprünglich wurde LXD als Open-Source-Projekt innerhalb der Linux-Community entwickelt. Nachdem Canonical die Entwicklung vollständig übernahm und das Projekt in die eigene Infrastruktur integrierte, entschied sich der ursprüngliche LXD-Projektleiter Stéphane Graber gemeinsam mit weiteren Entwicklern, einen unabhängigen Fork ins Leben zu rufen.
Das Ergebnis war Incus.
Das Ziel war klar:
- vollständig Open Source
- gemeinschaftsgetriebene Entwicklung
- offene Governance
- keine Herstellerabhängigkeit
- langfristige Stabilität
Heute wird Incus aktiv weiterentwickelt und veröffentlicht regelmäßig neue Versionen mit zusätzlichen Funktionen und Verbesserungen.
Was macht Incus besonders?
Incus verfolgt einen anderen Ansatz als klassische Container-Plattformen.
Statt lediglich einzelne Anwendungen bereitzustellen, können komplette Linux-Systeme innerhalb eines Containers betrieben werden.
Ein Container besitzt beispielsweise:
- eigenes Dateisystem
- eigene Benutzerverwaltung
- eigenes Netzwerk
- eigene Prozesse
- eigene Dienste
- eigenes Init-System (systemd)
Dadurch eignet sich Incus hervorragend als Ersatz für klassische virtuelle Server.
Ein weiterer großer Vorteil besteht darin, dass Linux-Container keinen eigenen Kernel benötigen. Stattdessen teilen sie sich den Kernel des Hosts.
Das führt zu:
- deutlich geringerem Speicherverbrauch
- schnellerem Start
- höherer Dichte an Containern
- geringerer CPU-Last
Falls vollständige Hardwarevirtualisierung erforderlich ist, können stattdessen virtuelle Maschinen mit QEMU/KVM betrieben werden – ebenfalls direkt über Incus.
Container oder virtuelle Maschine?
Diese Frage stellt sich fast jeder Administrator.
Obwohl beide Technologien ähnliche Ziele verfolgen, unterscheiden sie sich technisch erheblich.
Linux-Container
Container teilen sich den Kernel des Hostsystems.
Vorteile:
- extrem schnell
- geringer Ressourcenverbrauch
- Start innerhalb weniger Sekunden
- ideal für Linux-Dienste
- hohe Containerdichte
Nachteile:
- gleicher Linux-Kernel erforderlich
- keine anderen Betriebssysteme möglich
Typische Beispiele:
- Webserver
- Datenbanken
- Nextcloud
- GitLab
- Mailserver
- Entwicklungsumgebungen
Virtuelle Maschinen
Virtuelle Maschinen besitzen ihre eigene Hardwarevirtualisierung.
Sie verfügen über:
- eigenen Kernel
- eigenes BIOS bzw. UEFI
- vollständiges Betriebssystem
Vorteile:
- Windows möglich
- BSD möglich
- verschiedene Linux-Versionen
- vollständige Isolation
Nachteile:
- höherer Ressourcenbedarf
- längere Bootzeiten
Typische Beispiele:
- Windows Server
- Active Directory
- spezielle Appliances
- Legacy-Systeme
Incus im Vergleich zu Docker, Podman und Kubernetes
Viele Administratoren fragen sich, ob Incus Docker ersetzen kann.
Die Antwort lautet: Das hängt vom Einsatzzweck ab.
Incus
Schwerpunkt:
- vollständige Linux-Systeme
- virtuelle Maschinen
- langfristiger Serverbetrieb
- Infrastruktur
Ideal für:
- Administratoren
- Homelabs
- Unternehmen
- Hosting
- Testserver
Docker
Docker konzentriert sich auf einzelne Anwendungen.
Ein Docker-Container enthält meistens nur einen Dienst.
Typische Beispiele:
- Nginx
- Redis
- MariaDB
- PHP
- Node.js
Docker eignet sich hervorragend für:
- Continuous Integration
- Microservices
- Softwareentwicklung
- DevOps
Podman
Podman verfolgt einen ähnlichen Ansatz wie Docker.
Der größte Unterschied:
Podman benötigt keinen zentralen Daemon und unterstützt den Rootless-Betrieb besonders gut.
Dadurch eignet sich Podman hervorragend für sicherheitskritische Entwicklungsumgebungen.
Kubernetes
Kubernetes ist keine Container-Laufzeit, sondern eine Orchestrierungsplattform.
Sie verwaltet:
- Hunderte Container
- Lastverteilung
- Skalierung
- Hochverfügbarkeit
- automatische Updates
Für kleine Server oder Homelabs wäre Kubernetes meist deutlich überdimensioniert.
Vergleich der Lösungen
PlattformSchwerpunktTypische NutzungIncusLinux-Systeme und virtuelle MaschinenServerbetrieb, Homelab, InfrastrukturDockerAnwendungenMicroservices, WebanwendungenPodmanAnwendungenRootless-Container, EntwicklungKubernetesContainer-OrchestrierungGroße Cluster und Cloud-PlattformenFür wen eignet sich Incus?
Incus richtet sich vor allem an Anwender, die mehr als einzelne Anwendungen betreiben möchten.
Besonders interessant ist Incus für:
Systemadministratoren
- Testserver
- Webserver
- Datenbanken
- Entwicklungsserver
- Backup-Systeme
Unternehmen
- interne Dienste
- Virtualisierung
- Entwicklungsumgebungen
- isolierte Anwendungen
- Hosting
Entwickler
- reproduzierbare Testumgebungen
- verschiedene Linux-Distributionen
- schnelle Bereitstellung neuer Systeme
Homelab-Betreiber
Incus eignet sich hervorragend für private Server.
Beispielsweise lassen sich betreiben:
- Home Assistant
- Nextcloud
- Jellyfin
- Pi-hole
- WireGuard
- Vaultwarden
- GitLab
- Gitea
Alles sauber voneinander getrennt und dennoch äußerst ressourcenschonend.
Typische Einsatzgebiete
Die Einsatzmöglichkeiten sind nahezu unbegrenzt.
Häufige Szenarien sind:
- Webhosting
- Datenbankserver
- Entwicklungsserver
- Testumgebungen
- CI/CD-Systeme
- VPN-Gateways
- DNS-Server
- Mailserver
- Reverse Proxys
- Monitoring
- Backupserver
- Container-Labore
- Schulungsumgebungen
- Homelabs
- Unternehmensinfrastruktur
Durch Snapshots, Images und Profile lassen sich neue Systeme innerhalb weniger Sekunden bereitstellen.
Warum gewinnt Incus immer mehr an Bedeutung?
Immer mehr Administratoren suchen nach einer Lösung, die klassische Virtualisierung und moderne Container-Technologien miteinander verbindet.
Genau hier setzt Incus an.
Die Plattform bietet:
- Verwaltung von Containern und virtuellen Maschinen
- sehr geringe Systemanforderungen
- hohe Performance
- aktive Open-Source-Community
- einfache Administration
- REST-API für Automatisierung
- Cluster-Unterstützung
- Snapshots und Backups
- leistungsfähiges Netzwerkmanagement
- flexible Storage-Backends wie ZFS, Btrfs, LVM und Ceph
Damit eignet sich Incus sowohl für kleine Heimserver als auch für professionelle Unternehmensumgebungen.
Incus ist weit mehr als nur ein Nachfolger von LXD. Die Plattform vereint moderne Linux-Container und virtuelle Maschinen unter einer gemeinsamen Verwaltung und überzeugt durch hohe Performance, Flexibilität und eine offene Entwicklung.
Wer komplette Linux-Systeme effizient betreiben, Testumgebungen in Sekunden bereitstellen oder eine ressourcenschonende Virtualisierungslösung für den produktiven Einsatz sucht, sollte Incus unbedingt näher kennenlernen. Dank der Unterstützung für Container und virtuelle Maschinen eignet sich die Plattform gleichermaßen für Homelabs, Entwicklungsumgebungen und professionelle Serverinfrastrukturen.
Im nächsten Teil dieser Serie installieren wir Incus Schritt für Schritt auf einem Debian-13-Server und nehmen die erste Grundkonfiguration vor.