Linux Administration

Die Architektur von Beszel verstehen

Wie funktioniert Beszel intern? Lernen Sie den Aufbau mit Hub und Agent kennen, verstehen Sie den Datenfluss und erfahren Sie, wie Beszel Monitoring-Daten sicher verarbeitet und speichert.

5 min Lesezeit
Grafik: Beszel Architektur verständlich erklärt

So arbeiten Hub, Agent und Monitoring-Daten zusammen

Einleitung

Nachdem wir im zweiten Teil dieser Serie Beszel unter Debian 13 installiert haben, werfen wir nun einen Blick hinter die Kulissen. Wer versteht, wie Beszel aufgebaut ist, kann das System nicht nur sicherer betreiben, sondern auch Fehler schneller analysieren und die eigene Monitoring-Umgebung gezielt erweitern.

Beszel setzt auf eine bewusst schlanke Architektur. Statt aus zahlreichen Diensten, Datenbanken und zusätzlichen Komponenten zu bestehen, konzentriert sich die Software auf wenige, klar voneinander getrennte Bausteine. Dadurch bleibt die Installation übersichtlich und die Wartung einfach.

In diesem Beitrag lernen Sie den Beszel Hub, die Agenten und deren Zusammenspiel kennen. Außerdem erfahren Sie, wie die Kommunikation abgesichert wird, wie Messdaten gespeichert werden und welche Sicherheitsmechanismen Beszel bietet.


Die Architektur im Überblick

Die Architektur von Beszel besteht im Wesentlichen aus zwei Komponenten:

  • Beszel Hub
  • Beszel Agent

Der Hub dient als zentrale Verwaltungs- und Auswertungsplattform. Die Agenten laufen auf den zu überwachenden Systemen und liefern regelmäßig Informationen an den Hub.

Der grundsätzliche Datenfluss sieht wie folgt aus:

+-----------------+
| Linux-Server 1  |
| Beszel Agent    |
+--------+--------+
         |
         |
+--------v--------+
|                 |
|   Beszel Hub    |
|                 |
+--------+--------+
         |
         |
+--------v--------+
| Weboberfläche   |
| Dashboard       |
+-----------------+

Weitere Linux-Server
        │
        ▼
Beszel Agent

Der Hub sammelt die Daten aller Agenten und stellt sie zentral über das Dashboard bereit.


Der Beszel Hub

Der Hub bildet das Herzstück der gesamten Monitoring-Lösung.

Er übernimmt unter anderem folgende Aufgaben:

  • Verwaltung aller Server
  • Benutzerverwaltung
  • Authentifizierung
  • Speicherung der Messdaten
  • Darstellung im Dashboard
  • Historische Auswertungen
  • Verwaltung der Agenten
  • Konfiguration

In den meisten Installationen läuft der Hub als Docker-Container auf einem dedizierten Linux-Server oder einer virtuellen Maschine.

Da sämtliche Informationen zentral gespeichert werden, genügt eine einzige Weboberfläche, um den Zustand der gesamten Infrastruktur zu überwachen.


Der Beszel Agent

Auf jedem zu überwachenden Server wird ein Beszel-Agent installiert.

Seine Aufgabe besteht darin, kontinuierlich Informationen über den Systemzustand zu sammeln.

Dazu gehören beispielsweise:

  • CPU-Auslastung
  • Arbeitsspeicher
  • Festplatten
  • Netzwerk
  • Docker-Container
  • Betriebssystem
  • Hostname
  • Uptime

Der Agent selbst besitzt keine grafische Oberfläche.

Er arbeitet unauffällig im Hintergrund und benötigt nur wenige Systemressourcen.

Da lediglich Messwerte erfasst werden, bleibt die Belastung für den überwachten Server äußerst gering.


Kommunikation zwischen Hub und Agent

Die Kommunikation erfolgt direkt zwischen Agent und Hub.

Der Agent baut dabei die Verbindung zum Hub auf und übermittelt regelmäßig aktuelle Messdaten.

Dieses Verfahren bietet mehrere Vorteile:

  • keine eingehenden Verbindungen zum Agent erforderlich
  • einfache Integration hinter Firewalls
  • gute Eignung für Cloud-Server
  • geringer Netzwerkverkehr
  • zentrale Verwaltung

Dadurch können auch Server an unterschiedlichen Standorten problemlos in einer gemeinsamen Monitoring-Umgebung verwaltet werden.


Verschlüsselung

Monitoring-Daten enthalten häufig Informationen über die Infrastruktur eines Unternehmens. Deshalb spielt die Absicherung der Kommunikation eine wichtige Rolle.

Beszel unterstützt den verschlüsselten Betrieb über HTTPS bzw. TLS. Wird der Hub hinter einem Reverse Proxy wie Apache oder Nginx mit einem gültigen TLS-Zertifikat betrieben, erfolgt die Kommunikation zwischen Browser und Hub verschlüsselt.

Für produktive Umgebungen sollten Sie daher grundsätzlich:

  • HTTPS aktivieren,
  • ein gültiges TLS-Zertifikat (z. B. von Let's Encrypt) verwenden,
  • den Zugriff auf den Hub nur verschlüsselt erlauben.

So werden Anmeldedaten und übertragene Monitoring-Informationen vor dem Mitlesen im Netzwerk geschützt.


Datenübertragung

Beszel verfolgt bewusst einen ressourcenschonenden Ansatz.

Der Agent sendet ausschließlich die tatsächlich benötigten Informationen.

Typischerweise gehören dazu:

  • aktuelle CPU-Auslastung
  • RAM-Nutzung
  • Festplattenbelegung
  • Netzwerkdaten
  • Containerinformationen
  • Laufzeit
  • Hostinformationen

Es werden keine unnötigen Diagnoseinformationen übertragen.

Dadurch entstehen:

  • geringer Netzwerkverkehr
  • niedrige CPU-Auslastung
  • wenig Speicherverbrauch
  • gute Skalierbarkeit

Auch bei mehreren Dutzend Servern bleibt der Datenverkehr vergleichsweise gering.


Historische Daten

Momentaufnahmen sind hilfreich – für die Ursachenanalyse reichen sie jedoch oft nicht aus.

Deshalb speichert Beszel Messwerte über einen längeren Zeitraum.

Dadurch lassen sich beispielsweise erkennen:

  • dauerhaft steigende CPU-Last
  • zunehmender Speicherverbrauch
  • langsam volllaufende Festplatten
  • Lastspitzen zu bestimmten Tageszeiten
  • Netzwerkbelastungen

Die historischen Diagramme ermöglichen eine schnelle Analyse von Trends und helfen dabei, Engpässe frühzeitig zu erkennen.


Datenhaltung

Alle vom Hub empfangenen Informationen werden zentral gespeichert.

Je nach Installationsart erfolgt die Speicherung innerhalb des persistenten Datenverzeichnisses des Docker-Containers. Dadurch bleiben Konfigurationen und Monitoring-Daten auch nach einem Neustart oder Update des Containers erhalten, sofern das Datenverzeichnis als Volume eingebunden wurde.

Für Administratoren ergeben sich daraus mehrere Vorteile:

  • einfache Datensicherung
  • unkomplizierte Migration
  • persistente Konfiguration
  • schnelle Wiederherstellung nach einem Ausfall

Ein regelmäßiges Backup des Datenverzeichnisses sollte dennoch Bestandteil jeder Betriebsstrategie sein.


Sicherheitsmodell

Beszel wurde so entwickelt, dass der Betrieb möglichst sicher und einfach bleibt.

Zu den wichtigsten Sicherheitsmaßnahmen gehören:

Benutzeranmeldung

Der Zugriff auf das Dashboard erfolgt ausschließlich nach erfolgreicher Authentifizierung.

Administratoren sollten:

  • starke Passwörter verwenden,
  • individuelle Benutzerkonten nutzen,
  • keine gemeinsamen Administratorzugänge verwenden.

Reverse Proxy

Für den produktiven Betrieb empfiehlt sich die Nutzung eines Reverse Proxys.

Vorteile:

  • HTTPS
  • TLS-Zertifikate
  • Header-Schutz
  • zentrale Zugriffskontrolle
  • Integration weiterer Sicherheitsmechanismen

Apache und Nginx eignen sich hierfür gleichermaßen.


Firewall

Der Hub sollte ausschließlich über die benötigten Ports erreichbar sein.

Empfohlen werden:

  • Port 443 (HTTPS)
  • optional Port 80 für Let's Encrypt

Der interne Docker-Port muss in der Regel nicht direkt aus dem Internet erreichbar sein.


Updates

Wie jede Serversoftware sollte auch Beszel regelmäßig aktualisiert werden.

Docker erleichtert diesen Vorgang erheblich:

docker compose pull
docker compose up -d

Regelmäßige Updates schließen Sicherheitslücken und bringen neue Funktionen.


Backups

Folgende Daten sollten regelmäßig gesichert werden:

  • Konfiguration
  • Benutzer
  • Monitoring-Daten
  • Docker-Compose-Datei
  • Datenverzeichnis

Im Fehlerfall lässt sich der Hub dadurch schnell wiederherstellen.


Zusammenspiel aller Komponenten

Die gesamte Architektur lässt sich vereinfacht wie folgt darstellen:

             Administrator
                   │
                   ▼
          Webbrowser (HTTPS)
                   │
                   ▼
           +----------------+
           |   Beszel Hub   |
           +----------------+
             ▲     ▲     ▲
             │     │     │
             │     │     │
     +-------+  +--+--+  +-------+
     |             |             |
+---------+   +---------+   +---------+
| Agent 1 |   | Agent 2 |   | Agent n |
+---------+   +---------+   +---------+
     │             │             │
 Linux-Server  Linux-Server  Linux-Server

Diese klare Trennung sorgt dafür, dass Beszel einfach erweitert werden kann. Neue Server benötigen lediglich einen Agenten und können anschließend zentral überwacht werden.


Vorteile der Architektur

Die Architektur von Beszel bietet zahlreiche praktische Vorteile:

  • einfacher Aufbau
  • geringe Systemanforderungen
  • schnelle Installation
  • zentrale Verwaltung
  • ressourcenschonender Betrieb
  • einfache Skalierung
  • unkomplizierte Datensicherung
  • moderne Weboberfläche
  • sichere Kommunikation über HTTPS
  • ideal für Docker-Umgebungen

Gerade für kleine und mittlere Infrastrukturen stellt diese Kombination einen guten Kompromiss zwischen Funktionsumfang und Wartungsaufwand dar.


Die Architektur von Beszel überzeugt durch ihre Klarheit und ihren Fokus auf das Wesentliche. Mit einem zentralen Hub und leichtgewichtigen Agenten entsteht eine Monitoring-Lösung, die sich einfach installieren, sicher betreiben und flexibel erweitern lässt. Durch die zentrale Speicherung der Messdaten, die Unterstützung verschlüsselter Verbindungen und den geringen Ressourcenbedarf eignet sich Beszel hervorragend für Homelabs, kleine Unternehmen und mittelgroße Serverlandschaften.

Im nächsten Teil dieser Serie verbinden wir den ersten Linux-Server mit dem Hub und richten den Beszel-Agenten Schritt für Schritt ein. Anschließend überwachen wir das System live über das Dashboard.