Welche Fotoverwaltung passt zu Ihnen?
Fotos gehören inzwischen zu unseren größten privaten Datensammlungen.
Ein einziges Smartphone produziert innerhalb weniger Jahre problemlos zehntausende Bilder und Videos. Dazu kommen alte Digitalkamera-Aufnahmen, Familienarchive, Screenshots, RAW-Dateien und Videos.
Damit stellt sich irgendwann die Frage:
Wo sollen all diese Daten eigentlich dauerhaft gespeichert und verwaltet werden?
Die bekanntesten Antworten darauf lauten:
- Google Fotos
- Apple Fotos mit iCloud
- Nextcloud Photos
- PhotoPrism
- Immich
Auf den ersten Blick erledigen alle ungefähr dieselbe Aufgabe.
Doch unter der Oberfläche verfolgen sie sehr unterschiedliche Konzepte.
Google und Apple setzen auf komfortable Cloud-Dienste und eine möglichst enge Integration in ihre jeweiligen Ökosysteme. Nextcloud verfolgt einen wesentlich umfassenderen Ansatz als private Kollaborations-Cloud. PhotoPrism konzentriert sich auf eine leistungsfähige selbst gehostete Fotoverwaltung.
Und Immich?
Immich versucht, den Komfort moderner Cloud-Fotodienste mit Self Hosting zu verbinden.
Genau deshalb vergleichen wir in diesem Teil alle fünf Lösungen.
Die fünf Kandidaten
Bevor wir einzelne Funktionen vergleichen, sollten wir zunächst die grundlegenden Konzepte betrachten.
Immich
Immich ist eine speziell für Fotos und Videos entwickelte Self-Hosting-Lösung.
Das Ziel könnte man vereinfacht beschreiben als:
Komfort moderner Foto-Cloud + eigener Server + eigene Daten
Immich bietet unter anderem automatische Smartphone-Sicherung, Timeline, Alben, Kartenansicht, Gesichtserkennung, kontextbezogene KI-Suche, Partner-Sharing und öffentliche Freigabelinks.
Google Fotos
Google Fotos verfolgt den entgegengesetzten Ansatz:
Smartphone
│
▼
Google Cloud
│
▼
Fotos überall verfügbar
Die technische Infrastruktur betreibt Google.
Der Benutzer muss sich weder um Docker noch um PostgreSQL, Festplatten, Updates oder Backups des Servers kümmern.
Google Fotos bietet automatische Sicherung, Suche, Gesichtserkennung beziehungsweise Gesichtergruppierung, Sharing und eine sehr ausgereifte mobile Nutzung.
Apple Fotos
Apple Fotos ist besonders eng in:
iPhone iPad Mac iCloud Apple TV
integriert.
Wer vollständig im Apple-Ökosystem lebt, erhält dadurch eine ausgesprochen nahtlose Benutzererfahrung.
Apple Fotos erkennt Personen und Haustiere und kann Szenen sowie Objekte in Bildern analysieren.
Nextcloud Photos
Nextcloud ist wesentlich mehr als eine Fotoverwaltung.
Die Plattform bietet unter anderem:
Dateien Kalender Kontakte Office Talk Fotos Freigaben
Fotos sind also Bestandteil einer umfassenden privaten Cloud.
Die mobilen Nextcloud-Clients können Bilder und Videos automatisch hochladen. Nextcloud Photos kann außerdem durch zusätzliche Komponenten um KI-gestützte Gesichts- und Objekterkennung erweitert werden.
PhotoPrism
PhotoPrism ist wie Immich stark auf Foto- und Videoverwaltung spezialisiert.
Die Plattform bietet unter anderem:
- Gesichtserkennung
- automatische Klassifizierung
- umfangreiche Suchfilter
- Karten
- RAW-Unterstützung
- Metadatenverwaltung
- Albumfreigaben
und wird selbst gehostet betrieben.
Damit ist PhotoPrism einer der interessantesten direkten Immich-Konkurrenten.
Der grundsätzliche Unterschied
Die fünf Lösungen lassen sich grob in zwei Welten aufteilen:
Cloud-Dienste │ ├── Google Fotos └── Apple Fotos Self Hosting │ ├── Immich ├── Nextcloud Photos └── PhotoPrism
Damit ist bereits eine der wichtigsten Entscheidungen getroffen.
Wer keinen Server administrieren möchte, wird wahrscheinlich eher bei Google oder Apple landen.
Wer dagegen sagt:
Meine Fotos sollen auf meiner eigenen Infrastruktur liegen.
wird sich eher Immich, Nextcloud oder PhotoPrism ansehen.
Funktionsvergleich
Eine vereinfachte Übersicht:
FunktionImmichGoogle FotosApple FotosNextcloud PhotosPhotoPrismSelf HostingJaNeinNeinJaJaSmartphone-BackupJaJaJaJaüber passende ClientsGesichtserkennungJaJaJamöglichJaKI-/ObjekterkennungJaJaJaerweiterbarJaKartenansichtJaJaJamöglichJaAlbenJaJaJaJaJaöffentliche FreigabenJaJaJaJaJaMehrbenutzerbetriebJaJaüber Apple-DiensteJaeditionsabhängigRAW-UnterstützungJateilweiseJaabhängig vom Setupstarkeigener SpeicherJaNeinNeinJaJaServeradministration nötigJaNeinNeinJaJa
Diese Tabelle ist bewusst vereinfacht. Einzelne Funktionen unterscheiden sich erheblich in Bedienung, Umfang und technischer Umsetzung.
KI-Funktionen
Moderne Fotoverwaltung besteht längst nicht mehr nur aus:
Dateiname Datum Ordner
Stattdessen soll die Software erkennen, was auf einem Bild zu sehen ist.
Hier gehören Immich, Google Fotos, Apple Fotos und PhotoPrism zu den besonders interessanten Kandidaten.
Immich: lokale KI
Immich besitzt einen eigenen Machine-Learning-Dienst.
Dieser ermöglicht beispielsweise:
Gesichtserkennung Smart Search OCR
Die Gesichtserkennung gruppiert erkannte Gesichter zu Personen.
Besonders spannend ist Smart Search.
Immich verwendet eine kontextbezogene CLIP-Suche und speichert die entsprechenden Informationen in PostgreSQL mithilfe von VectorChord.
Dadurch sind Suchanfragen möglich, die sich auf den Bildinhalt beziehen.
Beispielsweise:
Hund am Strand
oder:
Auto im Schnee
Die Suche muss sich also nicht ausschließlich auf Dateinamen oder manuell vergebene Schlagwörter stützen.
Der große Immich-Vorteil
Die Machine-Learning-Verarbeitung kann auf der eigenen Infrastruktur stattfinden.
Beispielsweise:
Fotos │ ▼ Immich │ ▼ lokaler ML-Container │ ▼ eigene GPU
Damit lassen sich moderne KI-Funktionen mit Self Hosting kombinieren.
Genau das ist eine der größten Stärken von Immich.
Google Fotos: extrem komfortable Suche
Google Fotos gehört traditionell zu den stärksten Lösungen bei der automatischen Organisation großer Bildbestände.
Die Plattform kann unter anderem Personen beziehungsweise ähnliche Gesichter gruppieren und nach Personen suchen. Google weist darauf hin, dass dabei numerische Gesichtsmodelle erzeugt werden; die Funktion ist nicht in allen Regionen und Kontotypen verfügbar.
Der entscheidende Unterschied zu Immich:
Die Verarbeitung ist Teil der Google-Plattform.
Der Anwender kontrolliert also nicht selbst die zugrunde liegende Serverinfrastruktur.
Apple Fotos: starke Integration
Apple Fotos erkennt Personen und Haustiere und organisiert entsprechende Aufnahmen automatisch.
Zusätzlich existiert:
Visuelles Nachschlagen
Damit können beispielsweise:
- Pflanzen
- Tiere
- Wahrzeichen
- Kunstwerke
- Bücher
- Gerichte
erkannt beziehungsweise mit zusätzlichen Informationen verknüpft werden.
Besonders angenehm ist, dass diese Funktionen tief in iPhone, iPad und Mac integriert sind.
Nextcloud: KI modular ergänzen
Nextcloud verfolgt einen anderen Ansatz.
Die Fotoverwaltung kann durch zusätzliche Apps erweitert werden.
Besonders interessant ist:
Recognize
Die App bietet unter anderem:
- Gesichtserkennung
- Medien-Tags
- Objekterkennung
- Landschaftserkennung
- Erkennung von Gebäuden und Tieren
- Landmarkenerkennung
Die Modelle laufen dabei laut Nextcloud vollständig On-Premises.
Damit kann Nextcloud ebenfalls eine datenschutzfreundliche lokale KI-Fotoverwaltung bieten.
Allerdings besteht die Lösung aus mehreren Komponenten.
PhotoPrism: KI gehört zum Konzept
PhotoPrism bietet ebenfalls automatische Klassifizierung und Gesichtserkennung.
Gesichter werden erkannt und anhand ihrer Ähnlichkeit gruppiert.
Zusätzlich lassen sich Bilder anhand zahlreicher Eigenschaften durchsuchen, darunter:
Labels Orte Auflösung Farben Qualität
PhotoPrism ist deshalb besonders interessant für Benutzer, die umfangreiche bestehende Archive durchsuchen und katalogisieren möchten.
Zwischenstand KI
Vereinfacht könnte man sagen:
Google Fotos → sehr komfortable Cloud-KI Apple Fotos → sehr gute Apple-Integration Immich → starke lokale KI Nextcloud → modulare lokale KI PhotoPrism → starke Archiv- und Klassifizierungsfunktionen
Für Self-Hosting-Fans ist Immich gerade deshalb so interessant, weil viele Funktionen, die man von großen Cloud-Plattformen kennt, auf dem eigenen Server realisiert werden können.
Datenschutz
Hier drehen sich die Verhältnisse teilweise um.
Bei Google Fotos werden die Bilder in einem Google-Konto gespeichert.
Bei Apple liegen sie bei Verwendung von iCloud Fotos in Apples Cloud-Infrastruktur.
Immich, Nextcloud und PhotoPrism können dagegen vollständig auf eigener Infrastruktur betrieben werden.
Self Hosting bedeutet Datenkontrolle
Bei Immich kann die Architektur beispielsweise so aussehen:
Smartphone
│
▼
eigener Server
│
▼
eigener Speicher
Die Originaldateien müssen nicht auf den Server eines externen Foto-Cloud-Anbieters übertragen werden.
Dasselbe Grundprinzip gilt für selbst gehostete Nextcloud- und PhotoPrism-Installationen.
PhotoPrism positioniert sich ausdrücklich als datenschutzorientierte Plattform und erklärt, Daten nicht ohne bewusste Nutzung entsprechender Dienste an Google, Amazon, Facebook oder Apple weiterzugeben.
Aber Self Hosting bedeutet Verantwortung
Eigene Datenhoheit bedeutet gleichzeitig:
eigene Verantwortung
Der Betreiber muss sich kümmern um:
- Updates
- Backups
- Firewall
- HTTPS
- Benutzerverwaltung
- Monitoring
- Festplatten
- Wiederherstellung
Bei Google oder Apple übernimmt der Anbieter einen großen Teil dieser Infrastrukturaufgaben.
Self Hosting ist deshalb nicht automatisch sicherer.
Es bietet zunächst mehr Kontrolle.
Wie sicher das System tatsächlich ist, hängt anschließend vom Betrieb ab.
Bedienung
Bei der Benutzerfreundlichkeit besitzen Google und Apple einen natürlichen Vorteil.
Google Fotos:
App installieren → anmelden → Backup aktivieren → fertig
Apple Fotos:
iPhone verwenden → iCloud Fotos aktivieren → fertig
Bei Immich sieht der Anfang dagegen eher so aus:
Server → Linux → Docker → Storage → Immich → Reverse Proxy → HTTPS → Backup
Das ist erheblich aufwendiger.
Nach der Installation sieht es anders aus
Ist Immich einmal eingerichtet, wird der Unterschied für normale Benutzer deutlich kleiner.
Die Familienmitglieder sehen dann beispielsweise nur:
Immich App → anmelden → Backup aktivieren
Die Administration bleibt beim Serverbetreiber.
Für technisch interessierte Familien kann das ein sehr guter Kompromiss sein.
Apple gewinnt im Apple-Ökosystem
Wer ausschließlich:
iPhone iPad Mac Apple TV
verwendet, erhält mit Apple Fotos eine Integration, die ein Self-Hosting-Projekt kaum vollständig nachbilden kann.
Fotos erscheinen praktisch automatisch auf den verschiedenen Apple-Geräten.
Personen, Haustiere und andere Informationen werden in die Fotos-App integriert.
Für einen überzeugten Apple-Haushalt ist das ein starkes Argument.
Immich gewinnt bei Plattformunabhängigkeit
Immich eignet sich dagegen besonders für gemischte Haushalte.
Beispielsweise:
Person 1 → Android Person 2 → iPhone Computer → Windows Laptop → Linux Tablet → iPad
Alle greifen trotzdem auf dieselbe Immich-Instanz zu.
Das ist ein wichtiger Vorteil gegenüber einer stark an ein Herstellerökosystem gebundenen Lösung.
Mobile Apps
Für viele Benutzer ist dies der wichtigste Bereich überhaupt.
Denn die moderne Fotoverwaltung beginnt heute meistens auf dem Smartphone.
Google Fotos
Google Fotos besitzt ausgereifte Apps für Android und iOS.
Nach Aktivierung des Backups werden Fotos und Videos automatisch im Google-Konto gesichert und stehen anschließend auf angemeldeten Geräten zur Verfügung.
Der Anwender muss sich nicht um Server oder Netzwerkfreigaben kümmern.
Apple Fotos
Auf dem iPhone ist Apple Fotos Bestandteil des Systems.
Damit besitzt Apple den wahrscheinlich größten Integrationsvorteil dieses Vergleichs.
Fotos werden aufgenommen und können unmittelbar Bestandteil der iCloud-Fotomediathek werden.
Für iPhone-Nutzer ist die Bedienung dadurch nahezu unsichtbar.
Immich
Immich bietet native mobile Apps und kann ausgewählte lokale Alben sichern.
Die App unterstützt inzwischen auch Funktionen wie Album-Synchronisierung und „Free Up Space“, womit bereits erfolgreich gesicherte lokale Medien vom Smartphone entfernt werden können.
Dadurch nähert sich Immich beim mobilen Nutzungserlebnis zunehmend klassischen Cloud-Fotodiensten an.
Nextcloud
Nextcloud bietet native Clients für Android und iOS.
Die mobilen Apps können aufgenommene Bilder und Videos automatisch hochladen und ausgewählte Dateien beziehungsweise Ordner synchronisieren.
Der Schwerpunkt bleibt allerdings eine allgemeine Datei-Cloud.
Das unterscheidet Nextcloud konzeptionell von Immich.
PhotoPrism
PhotoPrism verfolgt einen anderen Ansatz.
Die Weboberfläche ist als Progressive Web App ausgelegt und kann auf Smartphones wie eine App installiert werden.
Für mobile Sicherungen empfiehlt PhotoPrism unter anderem PhotoSync.
Damit funktioniert die mobile Nutzung gut, ist aber weniger aus einem Guss als bei Google, Apple oder Immich.
Gewinner bei Mobile
Für maximale Einfachheit:
iPhone → Apple Fotos Android → Google Fotos
Für Self Hosting:
Android + iOS → Immich
Für bestehende Nextcloud-Nutzer:
Nextcloud App → Nextcloud Photos / Memories
Immich ist damit derzeit besonders interessant, wenn eine Google-Fotos-artige mobile Erfahrung auf eigener Infrastruktur gesucht wird.
Sharing
Fotos sollen nicht nur archiviert, sondern auch geteilt werden.
Hier bieten alle fünf Systeme Lösungen.
Immich Sharing
Immich unterstützt:
gemeinsame Alben Partner-Sharing öffentliche Links Passwortschutz Ablaufdatum
Bei gemeinsamen Alben können Benutzer als Viewer oder Editor eingebunden werden.
Öffentliche Links können unter anderem mit Passwort und Ablaufdatum versehen werden.
Partner-Sharing ermöglicht sogar die Freigabe einer gesamten Bibliothek an andere Benutzer derselben Instanz.
Damit eignet sich Immich sehr gut für Familien.
Google Fotos Sharing
Google Fotos bietet ebenfalls Alben, direkte Freigaben und Partner-Sharing.
Der große Vorteil ist die Verbreitung von Google-Konten.
In vielen Familien ist bereits praktisch jeder Benutzer im Google-Ökosystem vorhanden.
Apple Sharing
Apple bietet unter anderem:
Geteilte Alben Geteilte iCloud-Fotomediathek
Bei geteilten Alben können Teilnehmer Fotos und Videos hinzufügen. Alben können außerdem öffentlich über einen Link bereitgestellt werden.
Besonders innerhalb eines Apple-Haushalts funktioniert das komfortabel.
Nextcloud Sharing
Sharing gehört zu den Kernkompetenzen von Nextcloud.
Unterstützt werden unter anderem:
- Benutzerfreigaben
- Gruppen
- öffentliche Links
- Passwortschutz
- Ablaufdaten
- Upload-Freigaben
- differenzierte Berechtigungen
Für Unternehmen und Organisationen ist Nextcloud deshalb besonders interessant.
PhotoPrism Sharing
PhotoPrism kann Alben über geheime Links teilen.
Dabei lassen sich mehrere Links erzeugen und optional Ablaufdaten definieren. Eine Registrierung des Empfängers ist nicht erforderlich.
Für klassische Fotoalbum-Freigaben ist das sehr praktisch.
Speicherbedarf
Hier gibt es einen grundlegenden Unterschied.
Bei Google und Apple kauft man:
Cloud-Speicher
Bei Immich, Nextcloud und PhotoPrism kauft beziehungsweise betreibt man:
Festplatten NAS SSD Server
Google Fotos Speicher
Ein Google-Konto enthält bis zu 15 GB Speicher, der gemeinsam von:
Google Fotos Google Drive Gmail
genutzt wird.
Wer mehr benötigt, kann zusätzlichen Speicher über Google One buchen.
Bei großen Foto- und Videosammlungen entsteht dadurch langfristig ein laufender Kostenfaktor.
Apple Speicher
Apple stellt 5 GB kostenlosen iCloud-Speicher bereit.
Darüber hinaus stehen verschiedene iCloud+-Tarife zur Verfügung, beispielsweise mit:
50 GB 200 GB
und größeren Speicherkontingenten.
Auch hier steigen die laufenden Kosten mit dem benötigten Speicherplatz.
Immich Speicher
Bei Immich existiert kein vom Dienst vorgegebenes Cloud-Speicherlimit.
Das Limit lautet vereinfacht:
so viel Speicher, wie der eigene Server bereitstellt
Wer:
4 TB 8 TB 16 TB
benötigt, erweitert entsprechend den eigenen Storage.
Allerdings benötigt Immich zusätzlich Platz für:
- PostgreSQL
- Thumbnails
- transkodierte Videos
- Backups
Die tatsächlich benötigte Speicherkapazität liegt deshalb über der reinen Größe der Originalbibliothek.
Nextcloud Speicher
Bei selbst gehostetem Nextcloud gilt dasselbe Grundprinzip.
Der Betreiber entscheidet über den verfügbaren Storage.
Ein großer Vorteil:
Der Speicher dient nicht ausschließlich Fotos.
Er kann gleichzeitig verwendet werden für:
Dokumente Backups Dateien Office Fotos Videos
Das ist gleichzeitig Stärke und Schwäche von Nextcloud.
Es ist eine Universalplattform und keine reine Foto-Plattform.
PhotoPrism Speicher
Auch PhotoPrism verwendet eigenen Speicher.
Die selbst gehosteten Editionen werden nicht durch ein klassisches Cloud-Speicherkontingent begrenzt; entscheidend ist die vorhandene Infrastruktur.
Besonders interessant ist PhotoPrism für bereits vorhandene große Fotoarchive.
Kosten
Die Kostenfrage ist komplizierter als:
Cloud teuer Self Hosting kostenlos
Denn Self Hosting verursacht ebenfalls Kosten.
Google Fotos
Google bietet zunächst 15 GB gemeinsamen Kontospeicher kostenlos.
Mehr Speicher wird über Google One gebucht.
Damit entsteht ein klassisches Abomodell.
Vorteil:
keine eigene Hardware
Nachteil:
laufende Speicherkosten
Apple Fotos
Auch Apple arbeitet mit einem Abomodell.
5 GB sind kostenlos, mehr Speicher wird über iCloud+ gebucht.
Für Apple-Nutzer kann das wirtschaftlich trotzdem attraktiv sein, weil derselbe Speicher auch für andere iCloud-Daten verwendet wird.
Immich
Die Software selbst kann auf eigener Hardware betrieben werden.
Die eigentlichen Kosten entstehen durch:
Server Festplatten SSD Strom Backup Domain Arbeitszeit
Wer bereits:
Home Server NAS Mini-PC
besitzt, hat viele dieser Kosten ohnehin.
Dann kann Immich ausgesprochen attraktiv sein.
Die versteckten Self-Hosting-Kosten
Der größte Kostenfaktor wird häufig vergessen:
Zeit
Ein Cloud-Anbieter kümmert sich um:
- Hardware
- Updates
- Hochverfügbarkeit
- Storage
- Infrastruktur
Beim Self Hosting übernimmt der Betreiber diese Aufgaben selbst.
Wer daran Freude hat, sieht das vielleicht als Hobby.
Wer einfach nur seine Fotos sehen möchte, betrachtet es möglicherweise als Belastung.
Nextcloud
Nextcloud kann als Open-Source-Lösung selbst gehostet werden.
Der wirtschaftliche Vorteil steigt, wenn die Plattform ohnehin bereits für:
Dateien Kalender Kontakte Office
betrieben wird.
Dann verursacht die Fotoverwaltung kaum zusätzliche Infrastruktur.
Nur für Fotos eine komplette Nextcloud-Umgebung aufzubauen, ist dagegen nicht immer die effizienteste Lösung.
PhotoPrism
PhotoPrism bietet eine kostenlose Community Edition sowie kostenpflichtige Self-Hosted- und Team-Angebote. Die aktuellen Angebote unterscheiden sich hinsichtlich Funktionen, Support und Einsatzzweck.
Für Organisationen existieren eigene Team-Editionen.
Performance
Bei Google und Apple ist Performance weitgehend eine Frage von:
Internetverbindung + Dienst des Anbieters
Der Benutzer kann die Serverleistung nicht beeinflussen.
Bei Self Hosting sieht das anders aus.
Immich Performance
Immich kann sehr schnell sein.
Mit:
NVMe 16 GB RAM moderner CPU optional GPU
ist selbst eine große Bibliothek komfortabel nutzbar.
Aber der Betreiber ist selbst für die Dimensionierung verantwortlich.
Ein Immich-Server auf:
langsamer HDD 4 GB RAM schwacher CPU
kann natürlich nicht dieselbe Erfahrung bieten.
PhotoPrism Performance
PhotoPrism kann ebenfalls große Archive verwalten.
Insbesondere die Indexierung und Klassifizierung kann beim erstmaligen Einlesen einer großen Sammlung erhebliche Ressourcen beanspruchen.
Dafür besitzt PhotoPrism starke Funktionen für bestehende Archive, Metadaten und RAW-Dateien.
Nextcloud Performance
Bei Nextcloud hängt die Performance stark von der gesamten Installation ab.
Eine Nextcloud-Instanz kann gleichzeitig:
Files Office Talk Calendar Photos Recognize
betreiben.
Dadurch konkurrieren verschiedene Dienste um Ressourcen.
Mit passender Hardware und Konfiguration kann die Plattform sehr leistungsfähig sein.
Für eine reine Fotoverwaltung ist Immich jedoch stärker auf genau diesen Anwendungsfall zugeschnitten.
Wer gewinnt beim Funktionsumfang?
Das hängt von der Definition ab.
Wenn ausschließlich Fotoverwaltung betrachtet wird:
Google Fotos Apple Fotos Immich PhotoPrism
sind sehr fokussierte Lösungen.
Wenn dagegen eine komplette private Cloud gesucht wird:
Nextcloud
ist wesentlich umfangreicher.
Immich vs. Google Fotos
Diese beiden Lösungen lassen sich besonders gut gegenüberstellen.
Google Fotos
Ideal für:
maximalen Komfort keine Administration Android-Nutzer Google-Ökosystem
Immich
Ideal für:
Self Hosting Datenkontrolle NAS Homelab große private Bibliotheken
Kurz gesagt:
Google Fotos → Komfort ohne Server Immich → Komfort mit eigenem Server
Immich vs. Apple Fotos
Hier entscheidet vor allem das Ökosystem.
Wer ausschließlich Apple-Geräte verwendet:
Apple Fotos
ist schwer zu schlagen.
Wer dagegen:
Android Windows Linux iPhone
kombiniert, erhält mit Immich eine wesentlich herstellerunabhängigere Plattform.
Immich vs. Nextcloud Photos
Hier ist die Frage:
Brauche ich eine Foto-Cloud oder eine komplette private Cloud?
Wer bereits Nextcloud betreibt und dort:
- Dateien
- Kalender
- Kontakte
- Office
- Fotos
verwaltet, hat wenig Grund, ausschließlich wegen Fotos eine zweite Plattform aufzubauen.
Wer dagegen eine möglichst moderne, spezialisierte Fotoverwaltung sucht, findet in Immich häufig die passendere Lösung.
Interessanterweise existiert inzwischen sogar eine Nextcloud-App zur Integration einer Immich-Fotobibliothek.
Damit müssen beide Systeme nicht zwingend Konkurrenten sein.
Immich vs. PhotoPrism
Das ist wahrscheinlich der spannendste Self-Hosting-Vergleich.
Beide konzentrieren sich stark auf Fotos.
PhotoPrism besitzt besondere Stärken bei:
bestehenden Archiven Metadaten RAW umfangreichen Suchfiltern klassischer Fotoorganisation
Immich besitzt besondere Stärken bei:
Smartphone-Backup Multiuser moderner Timeline Partner-Sharing Google-Fotos-artigem Nutzungskonzept
PhotoPrism unterstützt zwar mobile Workflows, setzt dabei aber stärker auf PWA und zusätzliche Synchronisationslösungen.
Wer primär ein großes bestehendes Archiv katalogisieren möchte, sollte PhotoPrism unbedingt ausprobieren.
Wer dagegen seine Smartphone-Fotocloud ersetzen möchte, ist häufig bei Immich besser aufgehoben.
Empfehlung für Familien
Meine Empfehlung:
Immich
wenn jemand in der Familie bereit ist, den Server zu administrieren.
Warum?
- mehrere Benutzer
- Android und iOS
- automatische Smartphone-Sicherung
- gemeinsame Alben
- Partner-Sharing
- Gesichtserkennung
- Smart Search
- eigener Speicher
Gerade Partner-Sharing macht Immich für Familien interessant.
Wenn niemand einen Server administrieren möchte:
Google Fotos
beziehungsweise in einem reinen Apple-Haushalt:
Apple Fotos
Empfehlung für reine Apple-Haushalte
Wenn alle Familienmitglieder:
iPhone iPad Mac
verwenden und Self Hosting keine Priorität besitzt:
Apple Fotos.
Die Integration ist hier schlicht der entscheidende Vorteil.
Empfehlung für Android-Nutzer ohne Self Hosting
Wer Android verwendet und keinerlei Server betreiben möchte:
Google Fotos.
Die automatische Sicherung und geräteübergreifende Nutzung sind extrem unkompliziert.
Empfehlung für Homelabs
Hier fällt die Entscheidung ziemlich eindeutig aus:
Immich.
Besonders wenn bereits vorhanden sind:
Proxmox Docker NAS Reverse Proxy Backup
passt Immich hervorragend in die Infrastruktur.
Empfehlung für große bestehende Fotoarchive
Hier würde ich zwei Kandidaten testen:
Immich und PhotoPrism
PhotoPrism besitzt starke Funktionen für Metadaten, RAW-Dateien, Klassifizierung und umfangreiche Suchfilter.
Immich punktet dagegen mit seiner modernen Benutzeroberfläche, mobilen Apps und Smart Search.
Empfehlung für Fotografen
Für Fotografen ist:
PhotoPrism
besonders interessant, wenn der Schwerpunkt auf einem bestehenden strukturierten Archiv liegt.
Immich ist dagegen attraktiv, wenn:
mobile Präsentation Sharing Smart Search Gesichtserkennung
wichtiger sind.
Beide ersetzen allerdings keinen vollwertigen RAW-Workflow mit Lightroom, Capture One oder Darktable.
Empfehlung für bestehende Nextcloud-Nutzer
Wer bereits eine gut gepflegte Nextcloud betreibt, sollte zunächst:
Nextcloud Photos + Memories + Recognize
testen.
Memories wird im offiziellen Nextcloud-App-Store als moderne erweiterte Fotoverwaltung angeboten, während Recognize lokale KI-Funktionen ergänzt.
Möglicherweise erfüllt diese Kombination bereits sämtliche Anforderungen.
Empfehlung für Unternehmen
Hier würde ich keine pauschale Produktempfehlung nur anhand der Foto-Funktionen geben.
Entscheidend sind zusätzlich:
Support Berechtigungen Identity Management Datenschutz SLA Backup Auditierung Lifecycle Betriebskonzept
Nextcloud besitzt hier aufgrund seines umfassenden Kollaborationsansatzes interessante Möglichkeiten.
PhotoPrism bietet wiederum spezielle Team-Editionen mit professionellen Supportoptionen.
Immich kann technisch ebenfalls eingesetzt werden, sollte für einen professionellen Betrieb aber im Rahmen der konkreten Anforderungen bewertet werden.
Empfehlung für Kommunen und Behörden
Auch hier sollte die Entscheidung nicht lauten:
Welche Oberfläche gefällt am besten?
Entscheidend wären vielmehr:
Datenschutz Informationssicherheit Betriebsverantwortung Support Berechtigungskonzept Authentifizierung Protokollierung Backup Notfallvorsorge Patchmanagement Aufbewahrung Löschkonzept
Self Hosting kann für öffentliche Stellen grundsätzlich attraktiv sein, weil Daten innerhalb der eigenen beziehungsweise kontrollierten Infrastruktur verbleiben können.
Das allein macht eine Plattform aber noch nicht automatisch für den Behördenbetrieb geeignet.
Gerade Funktionen wie Gesichtserkennung sollten separat datenschutzrechtlich bewertet werden.
Welche Lösung gewinnt?
Es gibt keinen universellen Sieger.
Stattdessen:
Maximale Einfachheit
Google Fotos
Bestes Erlebnis im Apple-Ökosystem
Apple Fotos
Moderne Self-Hosting-Fotocloud
Immich
Komplette private Cloud
Nextcloud
Klassische Fotoarchivierung und Metadaten
PhotoPrism
Meine Empfehlung für Self Hosting
Wer heute eine selbst gehostete Alternative zu Google Fotos sucht, sollte sich Immich zuerst ansehen.
Der Grund ist die Kombination aus:
moderner Oberfläche + Android/iOS-Apps + automatischem Backup + mehreren Benutzern + Sharing + Gesichtserkennung + Smart Search + eigener Infrastruktur
Genau diese Kombination macht Immich außergewöhnlich interessant.
Aber Immich ist nicht automatisch die beste Wahl
Wer bereits eine umfangreiche Nextcloud-Infrastruktur besitzt, kann mit Nextcloud Photos, Memories und Recognize möglicherweise effizienter arbeiten.
Wer hauptsächlich ein riesiges historisches Fotoarchiv mit RAW-Dateien, Metadaten und klassischer Archivstruktur verwalten möchte, sollte PhotoPrism ebenfalls testen.
Wer überhaupt keinen Server administrieren möchte, ist bei Google Fotos oder Apple Fotos wahrscheinlich glücklicher.
Und wer ausschließlich Apple-Geräte besitzt, sollte sehr genau überlegen, ob der zusätzliche Verwaltungsaufwand eines eigenen Servers tatsächlich einen Vorteil bringt.
Entscheidungshilfe
Eine einfache Entscheidungsmatrix:
Ich will keinen Server administrieren.
│
├── Apple-Ökosystem
│ ↓
│ Apple Fotos
│
└── Plattformübergreifend
↓
Google Fotos
Oder:
Ich möchte Self Hosting.
│
├── komplette private Cloud
│ ↓
│ Nextcloud
│
├── klassisches großes Fotoarchiv
│ ↓
│ PhotoPrism
│
└── moderne Smartphone-Fotocloud
↓
Immich
Damit lässt sich die Auswahl erstaunlich gut eingrenzen.
Immich muss sich inzwischen nicht mehr nur mit kleinen Open-Source-Fotogalerien vergleichen lassen.
Die interessantere Frage lautet mittlerweile:
Kann eine selbst gehostete Lösung tatsächlich eine Alternative zu Google Fotos oder Apple Fotos sein?
Für technisch interessierte Benutzer lautet die Antwort eindeutig:
Ja.
Immich verbindet viele Funktionen moderner Cloud-Fotodienste mit der Möglichkeit, Server, Speicher und Machine Learning selbst zu kontrollieren. Gesichtserkennung, Smart Search, Smartphone-Backup, Partner-Sharing und öffentliche Freigaben ergeben inzwischen ein ausgesprochen umfassendes Gesamtpaket.
Google Fotos bleibt dagegen eine ausgezeichnete Lösung für Menschen, die maximale Bequemlichkeit wünschen und keine eigene Infrastruktur betreiben möchten.
Apple Fotos ist besonders stark, wenn das gesamte digitale Leben ohnehin auf iPhone, iPad und Mac stattfindet.
Nextcloud Photos ist die logische Wahl, wenn Fotos nur ein Bestandteil einer wesentlich größeren privaten Cloud sein sollen.
PhotoPrism wiederum bleibt eine hochinteressante Alternative für klassische Fotoarchive, RAW-Dateien, Metadaten und umfangreiche Such- und Klassifizierungsfunktionen.
Damit lautet die eigentliche Entscheidung nicht:
Welche Fotoverwaltung ist die beste?
Sondern:
Welche Fotoverwaltung passt zu meinem Konzept?
Wer Kontrolle, Self Hosting und gleichzeitig eine moderne Smartphone-Fotocloud möchte, findet mit Immich derzeit eine der spannendsten Lösungen.
Im nächsten und letzten regulären Teil unserer Serie geht es um Tipps, Tricks und versteckte Funktionen von Immich. Dort holen wir noch einmal das Maximum aus der Plattform heraus – von cleveren Suchmöglichkeiten über Tastenkürzel und Workflows bis zu Funktionen, die man im Alltag leicht übersieht.