htop ist ein interaktiver Prozess-Viewer für Linux und andere Unix-artige Betriebssysteme. Das Open-Source-Programm dient zur Echtzeitüberwachung von:
- CPU-Auslastung
- Arbeitsspeicher
- Swap-Nutzung
- laufenden Prozessen
- Systemlast
- Threads
- Benutzerprozessen
Im Gegensatz zum klassischen top verfügt htop über eine deutlich benutzerfreundlichere Oberfläche und erlaubt viele Aktionen direkt über Tastatur oder Maus.
Zu den wichtigsten Eigenschaften gehören:
- farbige Darstellung
- vertikale und horizontale Scrollfunktion
- komfortables Sortieren
- Prozesssuche
- Filtern von Prozessen
- Baumansicht
- Prozessverwaltung
- Mausunterstützung
Gerade Administratoren greifen im Alltag deshalb fast ausschließlich zu htop.
Vorteile gegenüber top
Das klassische top ist leistungsfähig, wirkt jedoch für Einsteiger oft unübersichtlich.
htop bietet zahlreiche Verbesserungen:
- übersichtliche farbige Darstellung
- Bedienung ohne komplizierte Tastenkombinationen
- direkte Prozesssuche
- einfaches Beenden von Prozessen
- Sortierung per Tastendruck
- CPU-Kerne grafisch dargestellt
- RAM- und Swap-Balken
- Mausbedienung
- individuelle Konfiguration
Dadurch lassen sich Engpässe deutlich schneller erkennen.
Installation unter Debian 13
Die Installation erfolgt über die Paketverwaltung.
Paketlisten aktualisieren:
sudo apt update
htop installieren:
sudo apt install htop
Anschließend kann das Programm sofort gestartet werden.
htop
Installation unter Ubuntu
sudo apt update sudo apt install htop
Installation unter Fedora
sudo dnf install htop
Installation unter RHEL / AlmaLinux / Rocky Linux
sudo dnf install epel-release sudo dnf install htop
Installation unter openSUSE
sudo zypper install htop
Installation unter Arch Linux
sudo pacman -S htop
Die Benutzeroberfläche
Nach dem Start erscheint eine übersichtliche Oberfläche.
Sie besteht aus mehreren Bereichen.
CPU-Anzeige
Oben befinden sich Balken für jeden CPU-Kern.
Diese zeigen:
- aktuelle Auslastung
- Kernel- und Benutzerzeit
- Nice-Prozesse
- Interrupts
Je nach Farbe lassen sich verschiedene Lastarten unterscheiden.
Arbeitsspeicher
Darunter erscheinen Balken für:
- RAM
- Swap
Hier erkennt man sofort:
- freien Speicher
- belegten Speicher
- Cache
- Buffer
Systeminformationen
Zusätzlich werden angezeigt:
- Uptime
- Load Average
- Anzahl der Prozesse
- Anzahl der Threads
Prozessliste
Im unteren Bereich befindet sich die eigentliche Prozessübersicht.
Typische Spalten:
- PID
- Benutzer
- Priorität
- Nice-Wert
- Speicherverbrauch
- CPU-Auslastung
- RAM-Auslastung
- Laufzeit
- Kommando
Prozesse sortieren
Eine der größten Stärken von htop ist das schnelle Sortieren.
Beispielsweise nach:
CPU-Auslastung
P
Speicherverbrauch
M
Zeit
T
PID
N
Name
K
Innerhalb weniger Sekunden lassen sich so Ressourcenfresser identifizieren.
Prozesse suchen
Mit
F3
öffnet sich die Suchfunktion.
Beispielsweise kann nach folgenden Prozessen gesucht werden:
- apache2
- nginx
- mariadbd
- mysqld
- php-fpm
- docker
- sshd
Die Treffer werden sofort markiert.
Prozesse filtern
Mit
F4
lassen sich Prozesse filtern.
Beispielsweise:
apache
Danach werden ausschließlich passende Prozesse angezeigt.
Das erleichtert die Übersicht erheblich.
Prozessbaum anzeigen
Eine besonders praktische Funktion ist die Baumansicht.
Aktivierung:
F5
Jetzt werden Eltern- und Kindprozesse dargestellt.
Beispiel:
systemd ├─sshd │ ├─bash │ │ └─htop ├─apache2 │ ├─apache2 │ ├─apache2 │ └─apache2
Gerade bei Webservern oder Docker-Containern ist dies äußerst hilfreich.
Prozesse beenden
Ein markierter Prozess kann direkt beendet werden.
Taste:
F9
Anschließend lässt sich das gewünschte Signal auswählen.
Beispielsweise:
- SIGTERM
- SIGKILL
- SIGSTOP
- SIGCONT
- SIGHUP
Im Alltag genügt meist:
SIGTERM
Nur wenn ein Prozess nicht reagiert, sollte SIGKILL verwendet werden.
Priorität ändern
Über
F7
und
F8
kann der Nice-Wert angepasst werden.
Damit lässt sich die CPU-Priorität verändern.
Prozessinformationen anzeigen
Mit
l
(kleines L)
werden Informationen über offene Dateien und Bibliotheken angezeigt.
Benutzerprozesse anzeigen
Mit
u
kann nach Benutzer gefiltert werden.
Dadurch lassen sich beispielsweise nur Prozesse eines bestimmten Benutzers anzeigen.
Farben verstehen
Die Farben dienen nicht nur der Optik.
Sie liefern wichtige Informationen.
CPU-Balken:
- Grün → Benutzerprozesse
- Rot → Kernel
- Blau → niedrige Priorität
- Orange → Interrupts
RAM:
- Grün → genutzter Speicher
- Blau → Buffer
- Gelb → Cache
Dadurch erkennt man Systemzustände auf einen Blick.
Konfiguration
Über
F2
öffnet sich das Konfigurationsmenü.
Hier können unter anderem angepasst werden:
- Spalten
- Farben
- Balken
- Anzeigeoptionen
- Meters
- Mausunterstützung
- Prozessdarstellung
- Baumansicht
- Sortierung
Die Einstellungen werden dauerhaft gespeichert.
Wichtige Tastenkombinationen
- F1 – Hilfe
- F2 – Einstellungen öffnen
- F3 – Nach Prozessen suchen
- F4 – Prozesse filtern
- F5 – Baumansicht ein- und ausschalten
- F6 – Sortierung auswählen
- F7 – Nice-Wert erhöhen (Priorität verringern)
- F8 – Nice-Wert verringern (Priorität erhöhen)
- F9 – Prozess beenden (Signal senden)
- F10 – htop beenden
- P – Prozesse nach CPU-Auslastung sortieren
- M – Prozesse nach Speicherverbrauch sortieren
- T – Prozesse nach Laufzeit sortieren
- U – Benutzerfilter entfernen
- u – Prozesse eines bestimmten Benutzers anzeigen
- H – Threads ein- oder ausblenden
Typische Einsatzgebiete
htop eignet sich hervorragend für:
- Linux-Server
- Webserver
- Datenbankserver
- Docker-Hosts
- Proxmox-Server
- Incus-Hosts
- Kubernetes-Knoten
- Raspberry Pi
- NAS-Systeme
- Virtuelle Maschinen
Praktische Beispiele
CPU-Auslastung prüfen
htop
Nach CPU sortieren:
P
Die Prozesse mit der höchsten CPU-Auslastung stehen nun oben.
Speicherfresser finden
M
Jetzt werden Prozesse nach RAM-Verbrauch sortiert.
Apache überwachen
Filter:
apache
Es erscheinen nur Apache-Prozesse.
MariaDB analysieren
Filter:
maria
Sofort wird ersichtlich, ob die Datenbank ungewöhnlich viele Ressourcen benötigt.
Docker-Prozesse anzeigen
docker
Alle Docker-Prozesse werden gefiltert dargestellt.
Tipps für Administratoren
Für eine effiziente Nutzung von htop haben sich folgende Vorgehensweisen bewährt:
- Bei hoher Systemlast zunächst nach CPU sortieren.
- Anschließend den Speicherverbrauch prüfen.
- Die Baumansicht nutzen, um Prozessbeziehungen zu verstehen.
- Vor dem Beenden eines Prozesses möglichst
SIGTERMstattSIGKILLverwenden. - Eigene Spalten konfigurieren, um die wichtigsten Informationen dauerhaft im Blick zu behalten.
- htop parallel mit Werkzeugen wie
journalctl,iotop,iftopodervmstateinsetzen, um ein vollständiges Bild der Systemauslastung zu erhalten.
Grenzen von htop
Trotz seines großen Funktionsumfangs ersetzt htop keine spezialisierten Analysewerkzeuge.
Zu den Einschränkungen gehören:
- keine Langzeitaufzeichnung von Leistungsdaten
- keine integrierten Diagramme oder historischen Auswertungen
- keine Netzwerkanalyse
- keine detaillierte Festplatten-I/O-Analyse
- kein Alarm- oder Benachrichtigungssystem
Für umfassendes Monitoring eignen sich Lösungen wie Beszel, Netdata, Prometheus oder Zabbix besser. htop ist hingegen ideal für die schnelle Analyse direkt auf dem System.
htop gehört zu den nützlichsten Werkzeugen für die tägliche Linux-Administration. Die übersichtliche Oberfläche, die einfache Bedienung und die umfangreichen Funktionen machen es deutlich komfortabler als das klassische top. Prozesse lassen sich schnell finden, sortieren und verwalten, während CPU-, Speicher- und Systemauslastung jederzeit in Echtzeit sichtbar sind.
Ob auf einem kleinen Raspberry Pi, einem Debian-Server, einer Docker-Umgebung oder einem großen Virtualisierungshost – htop liefert innerhalb weniger Sekunden einen klaren Überblick über den aktuellen Systemzustand. Damit sollte das Tool auf keinem Linux-System fehlen.