KI in der Praxis

ChatGPT Work – Teil 1: Was ist ChatGPT Work?

Teaser: Von der Frage zum fertigen Arbeitsergebnis: ChatGPT Work kann mehrstufige Aufgaben bearbeiten, Informationen auswerten und Dokumente erstellen. Zum Auftakt unserer Blogserie erklären wir das Konzept, die Unterschiede zu Chat und Codex sowie die Möglichkeiten und Grenzen im Arbeitsalltag.

6 min Lesezeit
Grafik: ChatGPT Work - Aufgaben delegieren, Ergebnisse prüfen

Von der Frage zum konkreten Arbeitsauftrag

Ein Bericht muss vorbereitet werden, die Informationen liegen in mehreren Dateien und am Ende wird zusätzlich eine Präsentation benötigt. Solche Aufgaben bestehen aus vielen kleinen Schritten: Unterlagen lesen, Aussagen vergleichen, Ergebnisse ordnen und alles in eine verständliche Form bringen.

Genau hier setzt ChatGPT Work an. Nach der offiziellen OpenAI-Dokumentation ist Work dafür gedacht, umfangreichere Aufgaben mit einem klaren Ergebnis zu delegieren. Dazu gehören beispielsweise Analysen, Dokumente und Präsentationen. Dateien, Plugins und freigegebene Werkzeuge können dabei als Arbeitsgrundlage dienen.

Diese Blogserie zeigt Schritt für Schritt, wie sich daraus praktische Arbeitsabläufe entwickeln lassen. Im ersten Teil geht es um das Konzept, geeignete Aufgaben und die Rolle des Menschen.

Stand: 1. November 2026. Verfügbare Funktionen hängen unter anderem von Tarif, Plattform, Region und Einstellungen des Arbeitsbereichs ab.

Die Grundidee: ein Ergebnis beauftragen

Wer Arbeit delegiert, beschreibt idealerweise, was am Ende vorliegen soll. Für einen brauchbaren Auftrag sind deshalb Ziel, Ausgangsmaterial und Qualitätsanforderungen entscheidend. Auch der Punkt, an dem eine Prüfung oder Freigabe erfolgen soll, gehört dazu. Diese Angaben empfiehlt OpenAI ausdrücklich für die Arbeit mit Work.

Ein beispielhafter Auftrag könnte lauten:

Werte die beigefügten Projektunterlagen aus. Erstelle einen dreiseitigen Statusbericht für die Bereichsleitung. Beschreibe den Fortschritt, die offenen Entscheidungen und die erkennbaren Risiken. Kennzeichne widersprüchliche Angaben und fehlende Informationen. Verwende ausschließlich die bereitgestellten Unterlagen und bereite das Ergebnis als bearbeitbares Dokument zur Prüfung vor.

Damit sind wesentliche Fragen geklärt: Welche Unterlagen gelten? Wer liest den Bericht? Wie umfangreich soll er sein? Was passiert mit Informationslücken?

Das erleichtert auch die spätere Kontrolle. Ein Bericht lässt sich daran messen, ob er die vereinbarten Punkte abdeckt. Bei einem Auftrag wie „Mach etwas zu unserem Projekt“ fehlt dieser Maßstab.

Was unterscheidet Chat, ChatGPT Work und Codex?

Die drei Arbeitsweisen haben unterschiedliche Schwerpunkte. Ihre Fähigkeiten überschneiden sich jedoch. Insbesondere Codex lässt sich auch für Recherche und Dokumente nutzen.

Chat: Fragen klären und Ideen entwickeln

Chat eignet sich für den direkten Austausch: eine Erklärung, eine Formulierung, eine Zusammenfassung oder die gemeinsame Entwicklung einer Idee.

Ein Beispiel:

Welche Punkte gehören in einen Projektstatusbericht?

Hier hilft das Gespräch dabei, die Aufgabe zu verstehen. Vielleicht stellt sich dabei heraus, dass zuerst die Zielgruppe oder die wichtigsten Projektziele geklärt werden müssen.

ChatGPT Work: mehrstufige Aufgaben bearbeiten

Work richtet den Ablauf auf ein überprüfbares Arbeitsergebnis aus. Es kann die Aufgabe planen, Kontext zusammentragen und Werkzeuge zur Bearbeitung einsetzen.

Der passende Auftrag wäre beispielsweise:

Erstelle aus den beigefügten Unterlagen unseren Projektstatusbericht und bereite eine kurze Präsentation für die nächste Besprechung vor.

Das gewünschte Ergebnis ist jetzt konkret beschrieben: ein Bericht und eine Präsentation auf Grundlage bestimmter Unterlagen.

Codex: technische Arbeit mit mehr Einblick

Codex stellt Entwicklerwerkzeuge und technische Details stärker in den Vordergrund. Typische Aufgaben sind Codeänderungen, Tests oder die Prüfung von Software. Die Oberfläche kann unter anderem Änderungen an Dateien und technische Arbeitsschritte sichtbar machen.

Ein passendes Beispiel:

Untersuche dieses Softwareprojekt, behebe den Fehler beim Datenexport und prüfe die Änderung mit den vorhandenen Tests.

Für die Auswahl hilft deshalb die Frage: Welches Ergebnis brauche ich, und wie viel technischen Einblick möchte ich während der Bearbeitung haben?

Was bedeutet „KI-Agent“?

In diesem Zusammenhang bezeichnet ein KI-Agent ein System, das ein Ziel über mehrere Arbeitsschritte verfolgt und dafür verfügbare Werkzeuge nutzt. ChatGPT Work kann beispielsweise Informationen auswerten, Dateien erstellen und Ergebnisse anschließend überarbeiten.

Bei einer einfachen Dokumentenaufgabe könnte ein Ablauf so aussehen:

  1. Die bereitgestellten Unterlagen lesen.
  2. Relevante Aussagen und offene Fragen sammeln.
  3. Eine Gliederung entwickeln.
  4. Einen Entwurf erstellen.
  5. Den Entwurf anhand der Anforderungen überarbeiten.
  6. Das Ergebnis zur Prüfung bereitstellen.

Diese Schrittfolge ist ein Beispiel, keine fest vorgegebene interne Arbeitsweise.

Der Nutzer muss nicht jeden Zwischenschritt einzeln anstoßen. Er sollte aber erkennen können, ob die Bearbeitung noch zum gewünschten Ziel führt. Ein frühzeitiger Hinweis wie „Der Bericht richtet sich an fachfremde Leser“ kann hilfreicher sein als eine umfassende Korrektur am Ende.

Welche Aufgaben eignen sich für ChatGPT Work?

Besonders interessant sind Aufgaben mit mehreren Quellen oder Bearbeitungsschritten und einem Ergebnis, das anschließend geprüft oder weiterverwendet werden kann. Auch wiederkehrende Auswertungen gehören zu den von OpenAI beschriebenen Einsatzmöglichkeiten.

Die folgenden Beispiele sind mögliche Arbeitsaufträge, keine Zusicherung einer bestimmten Ergebnisqualität.

Besprechungen vorbereiten

Aus einer Tagesordnung und freigegebenen Projektunterlagen könnte eine kompakte Besprechungsunterlage entstehen. Ein sinnvoller Auftrag verlangt ausdrücklich offene Entscheidungen, Widersprüche und fehlende Angaben.

Für ein IT-Projekt ließe sich etwa vorgeben: „Trenne technische Probleme von organisatorischen Entscheidungen und benenne zu jeder offenen Frage die noch benötigte Information.“

Fachliche Informationen aufbereiten

Ein längeres Konzept lässt sich als Grundlage für eine verständliche Kurzfassung verwenden. Dabei sollte der Auftrag festlegen, welche Fachbegriffe erklärt und welche Aussagen unbedingt erhalten bleiben müssen.

Der Nutzen liegt hier vor allem im Wechsel der Perspektive: Die technische Dokumentation bleibt detailliert, während die Zusammenfassung die Fragen der Leitung aufgreift.

Daten für eine Entscheidung auswerten

Bei einer Kostenübersicht könnte die Aufgabe lauten, Veränderungen zu berechnen, Auffälligkeiten zu erläutern und fehlende Vergleichswerte zu markieren.

Wichtig ist die Trennung zwischen Beobachtung und Ursache. Eine gestiegene Ausgabenposition belegt zunächst eine Veränderung. Warum sie gestiegen ist, muss aus den Unterlagen hervorgehen oder als offene Frage stehen bleiben.

Redaktionelle Arbeit vorbereiten

Für einen Blogbeitrag könnte der Auftrag Recherche, Artikelentwurf, Metadaten und begleitende Social-Media-Texte umfassen.

Hilfreich wäre eine gemeinsame Vorgabe für alle Ergebnisse: Welche Zielgruppe wird angesprochen? Welche Quellen sind zulässig? Welche Begriffe sollen erklärt werden? So lässt sich prüfen, ob Artikel und Kurztexte inhaltlich zusammenpassen.

Wie selbstständig kann Work handeln?

Die Selbstständigkeit reicht nur so weit, wie die verfügbaren Werkzeuge, Zugriffe und Regeln es erlauben. Work erhält durch einen Auftrag keinen allgemeinen Zugang zu Unternehmensdaten oder zum gesamten Computer.

Der Zugriff auf Informationen und Aktionen hängt von freigegebenen Quellen, Verbindungen und administrativen Einstellungen ab. Angebundene Systeme behalten ihre eigenen Berechtigungsregeln.

Für einen ersten Versuch empfiehlt sich daher eine überschaubare Aufgabe: wenige unkritische Dateien, ein klarer Auftrag und ein Ergebnis zur internen Prüfung. Damit lässt sich beurteilen, ob die Arbeitsweise zum eigenen Bedarf passt.

Wo bleiben menschliche Entscheidungen notwendig?

OpenAI unterscheidet zwischen dem Lesen und Entwerfen einerseits sowie dem Ändern, Teilen oder Ausführen von Aktionen andererseits. Für folgenreiche Aktionen sind begrenzte Berechtigungen und menschliche Prüfung wichtige Kontrollmöglichkeiten. Die konkreten Freigabeabläufe hängen von der Konfiguration ab. [3]

Für den Arbeitsalltag ergeben sich daraus drei Prüffragen.

Ist die Aufgabe richtig gestellt?

Der Mensch legt fest, welches Problem gelöst werden soll. Eine sauber formulierte Antwort hilft wenig, wenn die falsche Fragestellung bearbeitet wurde.

Ist das Ergebnis belastbar?

Bei einer Auswertung sind beispielsweise Quellen, Rechenwege und Annahmen zu prüfen. Bei einem Dokument kommen Verständlichkeit, Vollständigkeit und die Darstellung offener Fragen hinzu.

Darf das Ergebnis bereits verwendet werden?

Ein interner Entwurf, eine verbindliche Auskunft und ein veröffentlichter Beitrag haben unterschiedliche Folgen. Der Auftrag sollte deshalb benennen, wofür das Ergebnis vorgesehen ist.

Bei einem Projektbericht könnte die abschließende Prüfung etwa lauten: Stimmen die Termine? Sind Risiken belegt? Wurden Empfehlungen als Empfehlungen erkennbar gemacht? Fehlen Entscheidungen, die ausschließlich die zuständige Leitung treffen kann?

Was erwartet uns in dieser Blogserie?

Die Serie führt vom Einstieg zu vollständigen Praxisabläufen:

  • Grundlagen: Zugang, Oberfläche, Arbeitsaufträge und Modellauswahl.
  • Dateien und Wissen: Library, Projekte, Recherche und Quellenprüfung.
  • Arbeitsergebnisse: Dokumente, Tabellen, Präsentationen und Bilder.
  • Erweiterungen: Plugins, Skills und wiederkehrende Aufgaben.
  • Professioneller Einsatz: Qualitätskontrolle, Berechtigungen sowie Einführung in Unternehmen und Verwaltung.
  • Praxisprojekte: ein Blog-Workflow und eine IT-Entscheidungsvorlage.